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Gewaltfreie Kommunikation mit Kindern

Gefühle: Der ultimative Guide zu Schritt 2 der Gewaltfreien Kommunikation mit Kindern

Trotzkopf.

Reiß dich endlich zusammen! 

Wenn du nicht sofort aufhörst, dann gehe ich.


Ups. 

Wieder ist mir eine Drohung rausgerutscht.

Dabei wollte ich doch eigentlich gewaltfrei sein.

Zuerst hat mein innerer Wolf mein Kind angebrüllt. Jetzt macht er mich fertig.

Ich schäme mich und fühle mich schuldig. Würde die Zeit am liebsten zurückdrehen.


Warum habe ich derartig die Kontrolle verloren? Was hat mich getriggert?

Okay, zuerst Schritt 1 der Gewaltfreien Kommunikation: Die Beobachtung.

Wir sind beim Einkaufen. Plötzlich taucht er vor uns auf. Der Lieblings-Superheld meines Sohnes. Verführerisch eingepackt in einer bunten Verpackung.

Augenblicklich greift Leon zu. Mit leuchtenden Augen sieht er zuerst das manifestierte Objekt seiner Lieblingsserie an. Dann mich. "Ich will das haben!"

Ich bin gestresst. Es war ein langer Tag. Mein "Nein, komm jetzt!" zerstört Leons Träume wie der Bösewicht den Superhelden. 

Schreiend und tobend wirft er sich auf den Boden. Lässt sich davontreiben von einer Welle aus Trauer und Wut.

Die Welle ist groß genug, um auch mir den Boden unter den Füßen wegzureißen. 

Diese brennende Wut gefolgt von Hilflosigkeit überschwemmen mich.

Wie schaffe ich es, mit diesen überwältigenden Gefühlen umzugehen, sodass ich meinen Sohn auch in schwierigen Situationen begleiten kann?

Der Unterschied zwischen echten Gefühlen und Pseudogefühlen

Pseudogefühle

erkennst du in der Regel an Sätzen, die mit "Ich fühle mich..." oder "Ich habe das Gefühl, dass ..." beginnen.

Bsp: "Ich fühle mich hintergangen/ betrogen/ verletzt." oder "Ich habe das Gefühl, dass du mich nicht magst."

Pseudogefühle sind keine echten Gefühle, sondern Gedanken.

Sie drücken aus, was wir über ein bestimmtes Verhalten der anderen Person oder über uns selbst denken.

Pseudogefühle sollen in der Regel bestätigen, dass es ein Opfer und einen Täter gibt. "Ich fühle mich betrogen. Von dir. Du bist schuldig. Ich das Opfer."

Echte Gefühle

können auch schon von Babys empfunden werden. 

Du spürst ein echtes Gefühl irgendwo in deinem Körper.

Gefühle geben niemandem die Schuld, sondern sagen aus, wie DU dich fühlst. 

Gefühle sind ICH-Botschaften.

In Sätzen mit echten Gefühlen kann in der Regel "Ich fühle mich..." mit "Ich bin..." ersetzt werden. 

Bsp: "Ich fühle mich oder ich bin angespannt/ frustriert/ müde/ hungrig/ froh."

Echte Gefühle führen uns zu unseren Bedürfnissen.


Schritt 2 - Gefühle wahrnehmen & ausdrücken

Kommt dir das bekannt vor?

Eigentlich möchtest du Frieden in deiner Familie. Doch immer wieder wird dir dieser Cocktail aus Gefühlen und Erwartungen serviert. Und es bleibt dir nichts anderes übrig, als ihn wie bittere Medizin zu schlucken.

Eigentlich möchtest du die Gewaltfreie Kommunikation mit deinem Kind im Alltag umsetzen. Aber schon beim zweiten Schritt scheiterst du. Mit einem bitteren Beigeschmack von Schuld und Scham stellst du fest: Wieder habe ich es nicht geschafft. Dabei ist es doch angeblich so einfach.

Keine Sorge. Du bist nicht allein. Wie dir geht es vielen Eltern. 

Willst du einen anderen Weg gehen? Einen friedlichen Weg? Willst du die Verbindung zu deinem Kind und dir selbst stärken?

Dann wird dir dieser Beitrag dabei helfen, deine und die Gefühle deines Kindes klarer zu sehen. 

Entdecke die wunderbaren Geheimnisse deiner Gefühle.

Trigger – finde den Auslöser

Ein Grundsatz der Gewaltfreien Kommunikation ist, dass dein Gegenüber deine Gefühle nicht auslöst. Es gibt also niemanden, den wir für unsere Gefühle verantwortlich machen können. Wir selbst tragen die volle Verantwortung für unsere Gefühle.

Umgekehrt gilt das natürlich auch für alle anderen. Auch du bist nicht verantwortlich für die Gefühle der anderen. Du bist nicht  Schuld daran, wie sich jemand fühlt.

Dein Kind löst deine Gefühle nicht aus. Es macht dich darauf aufmerksam, was dir fehlt.

Wenn dein Kind deine Gefühle nicht auslöst, woher kommen sie dann? Was wollen sie dir sagen?

Kommen wir zurück zum Beispiel. Leons Wutanfall hat in seiner Mutter Hoffnungslosigkeit und Wut ausgelöst. Dann hat sie zu ihrem Sohn folgende Worte gesagt:

Trotzkopf. Reiß dich endlich zusammen! Wenn du nicht sofort aufhörst, dann gehe ich.

Nun könnte sie sich fragen:

Was hat das mit mir zu tun? Woher kenne ich diese Worte? Stimmt. Aus meiner eigenen Vergangenheit. 

Ich stelle die Behauptung auf, dass die meisten von uns nicht in einer auf Freiwilligkeit basierenden Atmosphäre aufgewachsen sind. Eine Umgebung, in der alle Gefühle sein dürfen. Stattdessen haben viele von uns in ihrer Kindheit gelernt, dass bestimmte Gefühle unerwünscht sind. Diese Überzeugung hat sich tief in uns eingebrannt.

Unsere Kinder sind wie Zeitmaschinen. Sie führen uns augenblicklich zu unseren Verletzungen der Vergangenheit.

Damals wie heute hätten wir etwas Wesentliches gebraucht. Nämlich Empathie. Liebevolles Mitgefühl. Ich bin okay so, wie ich bin. Ich werde geliebt mit all meinen Gefühlen. Auch, wenn wir damals nicht das bekommen haben, was wir gebraucht hätten, so können wir heute andere Entscheidungen treffen.

Was tun, wenn die Welle der Verzweiflung dich überrollt?

Du kannst dir heute das geben, was du brauchst.

Erinnere dich in der nächsten herausfordernden Situation nur an diese zwei Schritte:

  1. Selbsteinfühlung
  2. Fremdeinfühlung

1. Der erste Schritt ist die liebevolle Einfühlung in deine eigenen Gefühle und Bedürfnisse. Die Selbsteinfühlung:

  • Wie geht es mir jetzt?
  • Was fühle ich?
  • Was brauche ich?

Diese Fragen stellst du ganz im Stillen für dich. Und du erwartest von niemandem, dass er oder sie dir deine Bedürfnisse erfüllt. Dafür bist du selbst verantwortlich. Damit holst du dir die Macht über dein eigenes Leben zurück. Betrachte dich selbst mit einer liebevollen, mitfühlenden Haltung. 

2. Im zweiten Schritt gehst du in die sogenannte Fremdeinfühlung. Du fragst also:

  • Wie geht es meinem Kind?
  • Wie fühlst du dich?
  • Was brauchst du?

Diese Fragen stellst du deinem Kind in Schritt 2 der Gewaltfreien Kommunikation laut. Je nach jünger beziehungsweise unerfahrener dein Kind mit dem Ausdruck seiner Gefühle ist, desto mehr braucht es deine Unterstützung.

Schritt 1 – die Situation (Die Beobachtung):

Du bist hingefallen.

Schritt 2 – Gefühle ausdrücken:

Das tut weh. Du hast Schmerzen.

Schritt 3 – Bedürfnis:

Du brauchst Trost. Komm, ich versorge deine Wunde.

 

Auch unser Leon aus dem Beispiel verspürt einen Schmerz. So, als wäre er hingefallen. Nachdem wir also in die Selbsteinfühlung gegangen sind und uns selbst mit dem versorgt haben, was wir brauchen, wenden wir uns Leon zu:

Schritt 1 – Die Situation (Die Beobachtung):

Du hast deinen Lieblings-Superhelden gesehen und hast mich gefragt, ob du ihn haben darfst. Dann habe ich „Nein, komm jetzt“ gesagt.

Schritt 2 – Gefühle ausdrücken:

Das hat dich enttäuscht. Du bist ganz doll wütend und verzweifelt. 

Ich bin da. Ich begleite dich. Du musst das nicht alleine durchmachen.

Mit einer annehmenden Haltung lernen Kinder, dass es okay ist, Gefühle zu haben. Außerdem machen sie die Erfahrung, dass sie nicht mit ihren Gefühlen alleine gelassen werden. 

Gefühle wahrnehmen

Fällt es dir manchmal schwer, deine Gefühle wahrzunehmen?

Wenn wir als Kinder gelernt haben, dass bestimmte Gefühle nicht okay sind, dann kann es dazu kommen, dass wir diese unerwünschten Gefühle nicht mehr spüren. Wir fühlen dann eine gewisse Taubheit. Oder wir haben Strategien entwickelt, um diese Gefühle nicht mehr spüren zu müssen. 

Sobald wir  beginnen, bestimmte „unerwünschte“ Gefühle wahrzunehmen, lenken wir uns ab. Alkohol, Drogen, Fernsehen oder übermäßiges Arbeiten sind beliebte Ablenkungsstrategien für unerwünschte Gefühle. 

Dabei lassen wir allerdings den wichtigsten Aspekt außer acht: Unsere Gefühle haben einen Sinn. Wir spüren sie aus gutem Grund. 

Deine Gefühle sagen dir, was du brauchst. Sie führen dich zu deinen Bedürfnissen. Wenn du weißt, was du brauchst, dann kannst du dir deine Bedürfnisse erfüllen. Du bist dann satt und zufrieden. Und erst mit diesem gefüllten Speicher ist es dir möglich, deinem Kind dabei zu helfen, seine Bedürfnisse zu erfüllen. 

Erlaubst du dir nicht, deine Gefühle zu spüren, erfährst du nie, was du brauchst. Aber deine unerfüllten Bedürfnisse verschwinden nicht einfach so. Auch, wenn du noch so viel Energie für die Ablenkung deiner Gefühle verwendest.

Da bist du also. Mit deinen verdrängten Gefühlen und deinen unerfüllten Bedürfnissen. Möglicherweise erwartest du von deinem Umfeld, es möge dich heilen. Entsetzt stellst du fest, dass deine Bedürfnisse nur ungenügend erfüllt werden. Was du eigentlich getan hast, indem du dein Umfeld für deine Gefühle und Bedürfnisse verantwortlich gemacht hast: Du hast die Macht über dein Leben abgegeben.

Denn wer, wenn nicht du weiß am besten, was du brauchst?

Wenn du hungrig bist, dann kannst du 1. selbst in die Küche gehen und etwas essen oder 2. jemanden bitten, dir etwas zu bringen. 

Genau das tun wir in der Gewaltfreien Kommunikation.

  1. Gefühl wahrnehmen
  2. Bedürfnis wahrnehmen
  3. Bedürfnis erfüllen (das geht natürlich auch mit der Unterstützung von Anderen).

Hol dir die Macht über dein Leben zurück. Nimm deine Gefühle wahr.

Gewaltfreie Kommunikation mit KindernDie 4 Schritte der Gewaltfreien Kommunikation mit Kindern“.

 

 

  1. Akzeptiere, was da ist. Mache dir bewusst, dass deine Gefühle einen Sinn haben. Deine Gefühle haben einen guten Grund.
  2. Frage dich mehrmals am Tag bewusst, wie du dich im Moment fühlst. Warum nicht gleich jetzt? Wie fühlst du dich?
  3. Lokalisiere dein Gefühl in deinem Körper. Wo in deinem Körper spürst du etwas? Ein Kribbeln. Ein Ziehen. Hast du feuchte Hände? Oder Schmetterlinge im Bauch?
  4. Wie sieht das Gefühl aus? Nachdem du dein Gefühl lokalisiert hast, gibt ihm eine Form. Welche Farbe hat es? Hat es eine bestimmte Form? Wie sieht es aus? 
  5. Gib deinem Gefühl einen Namen. Nutze dafür diese Liste der Gefühle

Übrigens: Du kannst die 5 Schritte der Gefühlswahrnehmung zusammen mit deinem Kind machen. Um das ganze ein wenig aufzupeppen, nehmt euch eine Ladung Papier und bunte Stifte. Nun malt eure Gefühle auf. 

Variante: Nimm dir ein großes Blatt Papier und zeichne deinen Körperumriss darauf. Nun zeichne das Gefühl an der Stelle ein, wo du es gespürt hast. Es gibt selbstverständlich kein Richtig oder Falsch 😉

Die Liste der Gefühle

Die fett gedruckten übergeordnete Gefühle. Darunter stehen die möglichen Abwandlungen.

Gewaltfreie Kommunikation mit KindernDie 4 Schritte der Gewaltfreien Kommunikation mit Kindern“.

 

Gefühle souverän ausdrücken

Du hast also gelernt, deine Gefühle anzunehmen. Du kannst sie wahrnehmen. Nun ist es an der Zeit, sie auszudrücken.

Ein wesentlicher Bestandteil der Gewaltfreien Kommunikation ist der authentische Selbstausdruck. Indem du dich authentisch einbringst und dein Umfeld an deinen Gefühlen teilhaben lässt, entsteht Verbindung.

Indem du zum Ausdruck bringst, wie du dich fühlst und was du brauchst, machst du dich für dein Umfeld erreichbar. Die imaginäre Grenze zwischen dir und den Anderen verschwindet. Weil die Gefühle und Bedürfnisse universell sind. Automatisch kann dein Gegenüber etwas damit anfangen, wenn du authentisch ausdrückst, was in dir vorgeht.

Ich fühle mich erschöpft und brauche Ruhe.

Im Moment bin ich überfordert und brauche Unterstützung.

Ich bin traurig und brauche Trost.

Übe ab sofort, deine Gefühle mit deinen Bedürfnissen in Verbindung zu bringen. Deine Gefühle sind schließlich nicht s anderes, als Wegweiser zu deinen Bedürfnissen.

Was deine Gefühle über dich aussagen

Gefühle führen dich zu deinen Bedürfnissen.

Wenn du zum Beispiel hungrig bist, kannst du dich sicher kaum noch auf deine Arbeit konzentrieren. Dein Körper gibt dir das Signal, dass er etwas essen möchte. Dein Magen knurrt. Du hast das Bedürfnis nach Nahrung.

Gefühl – Hunger

Bedürfnis – Essen

Wenn dein Kind einem anderen Kind etwas wegnimmt, dann nicht aus Boshaftigkeit. Sondern, weil es sich ein Bedürfnis erfüllen will. Wenn es das Objekt der Begierde nicht erreicht, fühlt es sich wahrscheinlich traurig oder wütend. 

Gefühl – Trauer

Bedürfnis – Spiel und Spaß

Merke dir für den Moment, dass deine Gefühle immer aus einem guten Grund da sind. Sie führen dich zu deinen Bedürfnissen. Sie sind im Grunde wie ein Kompass. Mithilfe deiner Gefühle gelangst du zu dem, was du brauchst. Im nächsten Beitrag geht es um die Bedürfnisse und die Strategien, mit denen du deine Bedürfnisse erfüllen kannst.

Übung: Wie geht es dir? 

Diese Übung dient dazu, den Gefühlswortschatz zu erweitern.

Viele von uns antworten auf die Frage: Wie geht es dir? schlicht mit gut.

Erweitere deinen Gefühlswortschatz, indem du deine Gefühle genauer benennst. Nimm dazu gerne die Liste der Gefühle zur Hilfe.

Mir geht es gut. Ich fühle mich dankbar/ motiviert/ inspiriert.

Mir geht es schlecht. Ich fühle mich einsam/ betrübt/ aufgebracht.

Eine geeignete Möglichkeit, die Gewaltfreie Kommunikation in deinen Alltag zu integrieren ist folgende:

Nimm dir am Abend (oder zu einem anderen Zeitpunkt, an dem du ungestört bist) ein wenig Zeit, um den Tag zu reflektieren.

Beantworte die Fragen schriftlich:

Selbsteinfühlung:

  • Wie habe ich mich gefühlt?
  • Wo in meinem Körper habe ich das gespürt?
  • Was habe ich gebraucht? (Bedürfnis)
  • Wie hätte ich mir mein Bedürfnis erfüllen können? (Strategie)

Fremdeinfühlung:

  • Wie könnte mein Kind die Situation erlebt haben? (Beobachtung aus der Perspektive deines Kindes).
  • Wie hat er/sie sich gefühlt?
  • Was hat er/ sie gebraucht?
  • Mit welcher Strategie könnte das Bedürfnis erfüllt werden? (Hinweis: Wenn du die 4 Schritte der GFK mit Kindern praktisch durchführst, kannst du gerne dein Kind fragen, ob es eine Idee hat, wie das Bedürfnis erfüllt werden könnte. Du wirst überrascht sein über die Kreativität der Kinder 😉 )

Ich wünsche dir viel Freude beim Üben.

Sei lebendig 🙂

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Ich freue mich auf dich! 

Deine Yvonne

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