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Gewaltfreie Kommunikation mit Kindern

Bitte vermeide diese Fehler bei Schritt 4 der Gewaltfreien Kommunikation mit Kindern

„Du spielst mit deinen Bausteinen.

Ich sehe, wie viel Freude dir das macht.

Du möchtest einen ganz hohen Turm bauen.

Gleichzeitig ist es jetzt Zeit, in die Kita zu fahren.

Bist du bereit, die Jacke anzuziehen?

Komm, wir verabschieden uns von den Bausteinen.“

So oder so ähnlich könnte eine gewaltfrei formulierte Bitte an dein Kind aussehen. 

Das witzige bei Schritt 4 der Gewaltfreien Kommunikation mit Kindern ist: die Bitte ist freiwillig. Das bedeutet, du bist bereit, ein NEIN zu akzeptieren. Zumindest in der Theorie.

Denn genau wie du hat auch dein Kind eine genaue Vorstellung davon, wie die Dinge geschehen sollen oder nicht. 

Sicher stimmst du mir zu, wenn ich behaupte, dass es nichts Wohltuenderes gibt, als ein entschiedenes Nein aus einem süßen Kindermund. Selbstverständlich passiert das genau dann, wenn du verschlafen hast und der Schulbus schon hupend vor deiner Haustür steht.

Wie schaffst du es also, mit solchen Situationen umzugehen und trotzdem gewaltfrei und gechillt zu bleiben? Das erfährst du in diesem Beitrag.

Die 5 Eigenschaften der Bitte

Positiv formuliert:

Sage, was du willst und nicht, was du nicht willst.

Klar und konkret:

Die Bitte ist klar und konkret formuliert.  

In der Gegenwart:

Die Bitte ist im Hier und Jetzt umsetzbar.

Freiwillig:

Eine Bitte ist keine Forderung. Sie basiert auf Freiwilligkeit.

Machbar:

Die Bitte ist umsetzbar.


Wie du geeignete Strategien findest und damit Bedürfnisse erfüllst.

Im 4. Schritt formulierst du eine Bitte.

Das Ziel dieses Schrittes besteht darin, deinem Gegenüber deutlich zu machen, was du von ihm oder ihr willst.

Eine Strategie ist dafür da, Bedürfnisse zu erfüllen.

Hinweis: Bedürfnisse können nicht im Konflikt stehen. Strategien schon. Es gibt immer mehrere Möglichkeiten (Strategien), um Bedürfnisse zu erfüllen.

Um das Bedürfnis nach Entspannung zu befriedigen, kannst du zum Beispiel folgende Strategien anwenden:

ein heißes Bad nehmen, Yoga, spazieren gehen im Wald, eine Massage genießen, eine Duftkerze anzünden, Musik hören oder auf ein Lagerfeuer blicken.

Und hier erfährst du endlich die 5 häufigsten Fehler, Stolpersteine und Missverständnisse bei Schritt 4:

Die 5 beliebtesten Fehler, Stolpersteine und Missverständnisse, die Eltern bei Schritt 4 der Gewaltfreien Kommunikation mit Kindern machen

Das geübte GFK-Auge hat es sofort bemerkt: In der GFK gehen wir davon aus, dass es kein Richtig oder Falsch gibt. Dennoch gibt es einen einfachen und einen schweren Weg. Beseitige die folgenden 5 Stolpersteine und gehe den Weg der Leichtigkeit. Denn der Familienalltag mit Kind darf auch einfach sein 🙂

1. Du hast Angst, um etwas zu bitten.

Vielleicht glaubst du, es sei ein Zeichen von Schwäche, wenn man um Hilfe bittet.

Oder du hast in deiner Vergangenheit negative Erfahrungen in Zusammenhang mit Bitten gemacht.

Vielleicht musstest du als Kind immer brav „bitte, bitte“ sagen, wenn du etwas haben wolltest. Möglicherweise löst das Formulieren einer Bitte bei dir Gefühle von Schuld oder Scham aus. 

Wenn dir Schritt 4 in der Gewaltfreien Kommunikation mit Kindern schwerfällt, könnten deine Glaubenssätze dafür verantwortlich sein.

Glaubenssätze sind innere, oft unbewusste Überzeugungen. Sie entstehen durch Erfahrungen oder Dinge, die du als Kind sehr oft gehört hast. Sie können dein Leben schwerer oder leichter machen. Und sie können wahr sein oder völlig aus der Luft gegriffen.

Gehe deinen Glaubenssätzen auf die Spur. Das kannst du tun, indem du deine Gedanken und inneren Reaktionen beobachtest. 

Übung:

Stell dir vor, du bittest jemanden um einen Gefallen.

  • Welche Gedanken steigen in dir auf?
  • Welche Gefühle beobachtest du?
  • Gibt es Bedürfnisse, die unerfüllt sind?
  • Hast du Angst vor Zurückweisung?
  • Denkst du, du seist schwach, weil du das Bedürfnis nach Unterstützung hast?

Übung 2:

Mache dir einschränkende Glaubenssätze bezüglich der Bitte bewusst. Schreibe all deine Gedanken auf, die dir in den Sinn kommen, wenn du Menschen um etwas bittest.

Beispiel:

  • Wenn ich um etwas bitte, dann könnte mein Partner nein sagen. Das bedeutet, dass er mich persönlich abweist.
  • Wenn ich um etwa bitte, bedeutet das, dass ich es selbst nicht hinbekomme. Dann bin ich schwach und hilflos.
  • Wenn ich andere bitte, mich zu unterstützen, dann gebe ich die Macht ab und habe keine Kontrolle mehr über die Ergebnisse oder mein Leben.

Schreibe nun deine eigenen Glaubenssätze auf.

Beantworte zu jedem Glaubenssatz diese Fragen: 

  • Ist das wahr?
  • Was wäre, wenn das nicht wahr wäre?
  • Wovor schützt es mich, das zu glauben?
  • Wozu dient es mir, das zu glauben?
  • Was wäre, wenn das Gegenteil der Fall wäre?
  • Wie würde ich mich fühlen, wenn dieser Satz nicht wahr wäre?

Wenn du die Entscheidung triffst, dass dir der Glaubenssatz im Weg steht und nicht dienlich für ein Leben in Fülle ist, dann weg damit. Wähle neu. 

Formuliere nun deine einschränkenden Glaubenssätze um.

Beispiele: 

  • Wenn ich andere um Hilfe bitte, erfülle ich mein Bedürfnis nach Unterstützung und Gemeinschaft.
  • Mein Partner hat die Freiheit, nein zu sagen. Ich habe die Freiheit, nein zu sagen.
  • Ich bin ein wertvoller und eigenständiger Mensch.
  • Wenn ich Menschen um etwas bitte, beweise ich Mut und Stärke. 
  • Andere um etwas zu bitten ist ganz natürlich.
  • Ich liebe es, wenn meine Bitten gehört werden.
  • Ich liebe es, unterstützt zu werden.

Bitte GFK mit Kindern Glaubenssätze

2. Du hast Angst vor einem NEIN

Denke daran: Eine Bitte ist freiwillig.

Das heißt, weder dein Kind noch deine Partnerin oder Kollegin sind dazu gezwungen, deiner Bitte zu entsprechen.

Denn was wir gerne vergessen ist, dass wir alle mit dem Segen eines freien Willens ausgestattet sind.

Eine Bitte ist keine Forderung. 

Wenn dein Kind NEIN sagt, tut es das nicht gegen dich, sondern für sich selbst. Anders formuliert: Ein Nein zu anderen ist ein Ja zu dir selbst.

Zugegeben: In der Situation ist es sicherlich eine Herausforderung, wenn dein Kind nicht deiner Bitte nachkommt. Aber wenn du die Sache mit Abstand betrachtest, kannst du das nein deines Kindes feiern.

Übung:

Schreibe mindestens 10 Gründe auf, warum du es feierst, dass du und/ oder dein Kind nein sagen können.

3. Du denkst, du musst alles alleine machen

Was wäre, wenn keine deiner Bitten gehört werden?

Wenn du nur noch nein hörst?

Ist die einzige Lösung, die Forderung wieder einzuführen?

Ein bisschen Zwang hat immerhin noch niemandem geschadet, oder?

Natürlich ist es deine freie Entscheidung. 

Ich glaube allerdings, wenn du bis hierhin gelesen hast, dann meinst du es ernst mit der GFK. Du willst ein harmonisches Familienleben voller Lebendigkeit. Du achtest den freien Willen und möchtest deine Kinder zu selbstbewussten und starken Individuen heranwachsen sehen.

Also gib der Bitte doch mal eine Chance.

Übung:

  • Nimm dir vor, für den Zeitraum der nächsten 7 Tage komplett auf Forderungen zu verzichten. 
  • Schreibe deine Beobachtungen auf.
  • Schreibe dir am Abend die größte Herausforderung des Tages auf und gehe die vier Schritte der Gewaltfreien Kommunikation anhand des Beispiels durch.
  • Notiere dir auch, welche Erlebnisse du gefeiert hast.
  • Sage dir in herausfordernden Situationen folgendes Mantra: Ich vertraue der Kooperationsbereitschaft meines Kindes.
  • Versetze dich bei der Abendreflexion in die Lage deines Kindes. Welches Bedürfnis hat es sich mit dem Nein erfüllt?

4. Es fällt dir schwer, Strategien für dich selbst oder andere zu finden

Vielleicht ertappst du dich selbst manchmal dabei, dass du Lösungsvorschläge machst. Keine Sorge. Das ist ein sehr beliebtes Phänomen.

Allerdings ist es auch sehr anstrengend, wenn du die Last der ganzen Welt auf deinen Schultern trägst und von dir selbst verlangst, zu jeder Zeit die perfekte Lösung für alle zu finden.

Vertraue der Kreativität deines Kindes, wenn es um Strategien geht.

Beispiel A:

Steffis Kinder Lilli und Max streiten sich um ein Spielzeug und rufen sie, weil sie Unterstützung brauchen.

Statt die Richterin zu spielen und eine Lösung vorzugeben, könnte Steffi beispielsweise so vorgehen:

Situation: Ah, Lilli und Max, ihr wollt beide mit dem Trampelauto fahren. Zwei Kinder, ein Trampelauto. Ich bin gespannt, wie ihr diese Situation löst.

Beispiel B:

Situation: Ich sehe, dass ihr beide mit dem Trampelauto fahren wollt.

Gefühl: Ihr seid ganz wütend und aufgeregt.

Bedürfnis: Weil ihr beide Spaß haben wollt. Und das Trampelauto fahren macht euch beiden so viel Freude.

Strategie: Habt ihr eine Idee, wie ihr das lösen könntet, dass ihr beide mit dem Trampelauto fahren könnt?

Übung:

Mache es dir zur Gewohnheit, der Kreativität deines Kindes zu vertrauen, wenn es um Strategien geht, mit denen es sich seine Bedürfnisse erfüllen kann.

Hierfür benenne ganz klar das Bedürfnis und erfrage danach die Idee, die dein Kind als Lösungsstrategie hat.

Gehe flexibel mit den Lösungsstrategien deines Kindes um. Frage dich selbst, ob die vorgeschlagene Lösung für dich ok ist. 

Wenn du eine Abneigung gegen die vorgeschlagene Strategie deines Kindes spürst, frage dich warum. 

5. Du weißt nicht, wie du eine Bitte formulieren kannst

Die Eigenschaften einer Bitte:

  • Klar und machbar vs. unklar und diffus

No: Wie schön wäre es doch, wenn die Wohnung sauber wäre und die Küche nicht mehr müffeln würde.

Go: Ich liebe eine saubere Küche. Bist du bereit, mich zu unterstützen und den jetzt runterbringen?

  • Sage, was du willst vs. sage, was du nicht willst.

Stell dir vor, du gehst in ein Restaurant. Der Kellner kommt und fragt dich, was du essen möchtest.

Und du antwortest: Also, ich möchte nicht die Suppe und auch nicht die Nudeln. Den Fisch möchte ich auf gar keinen Fall. Und bitte auch nicht den Kartoffelbrei mit Pilzen.

Obwohl das ziemlich umständlich ist, gehen wir im Alltag genauso vor. Wir sagen, was wir nicht wollen.

Gewöhne dir an, zu sagen, was du willst. Damit erhöhst du nicht nur die Wahrscheinlichkeit, dass deine Bitten erhört werden. Du wirst deine persönlichen Ziele auch viel schneller erreichen.

No: Ich möchte nicht, dass du den ganzen Tag herumlungerst.

Go: Ich möchte, dass du deine Hausaufgaben erledigst.

  • Bitte vs. Forderung

Eine Forderung ist starr und unflexibel. Sie übersieht die Tatsache, dass andere auch Bedürfnisse haben. Bei der Forderung geht es ausschließlich um die Erfüllung der eigenen Bedürfnisse. Andere Möglichkeiten werden nicht akzeptiert.

Mache dir bewusst, welches Bedürfnis du dir damit erfüllst, wenn dein Gegenüber deine Forderung erfüllt und wie sich das für dich anfühlen würde.

Indem du eine Forderung zu einer Bitte machst, beziehst du dein Gegenüber ein. Du respektierst damit den freien Willen und die Tatsache, dass auch dein Gegenüber ein Wesen mit Bedürfnissen ist. 

Ein „muss“ fühlt sich schwer an. Ein freiwilliger Akt macht Freude.

No: Wenn du jetzt nicht deine Spielsachen aus dem Wohnzimmer räumst, dann darfst du heute Abend nicht fernsehen.

Go: Wenn ich sehe, wie deine Spielsachen im Wohnzimmer liegen, bin ich ärgerlich, weil ich ein aufgeräumtes Wohnzimmer brauche, um mich wohlfühlen. Bist du bereit, deine Spielsachen in dein Zimmer zu räumen?

Bonustipp

Denke daran: Kinder sind wahre Meister*innen im Befriedigen ihrer eigenen Bedürfnisse. Wenn dein Kind nein sagt, nachdem du es um etwas gebeten hast, tut es das nicht, um dich zu ärgern. Sondern um seine Bedürfnisse zu erfüllen.

Wenn du ein Nein hörst, frage dich: Was braucht mein Kind, damit aus dem NEIN ein JA wird? Wie könnte ich mein Kind dabei unterstützen, dass es kooperiert?

Du kannst dein Kind zum Beispiel fragen: Was brauchst du, damit du meiner Bitte entsprechen kannst? Wie kann ich dir helfen, damit es dir leichter fällt?

Übung:

Schreibe Strategien deines Kindes auf. Welche Bedürfnisse erfüllt es sich damit?

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Ich freue mich auf dich! 

Deine Yvonne

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